Antonius Fest
Herzliche Einladung am 10.06.2026 zu m Antoniusfest an der Kapelle um 18 Uhr in Bergheim.
Was tun, wenn plötzlich der ganze Schlüsselbund weg und einfach nicht mehr zu finden ist, obwohl man doch bereits alles Mögliche unternommen hat? „Schlüsseldienst“, rät der eine, „ein Gebet zum Heiligen Antonius“, empfiehlt der andere.
Die Kirche feiert den Namenstag des heiligen Antonius von Padua. Im Jahr 1195 in einer reichen Familie zu Lissabon geboren, schließt sich der junge Fernandez bereits mit 16 Jahren den Augustiner-Chorherrn an, studiert und wird 1220 zum Priester geweiht. Zur gleichen Zeit begegnet er den Brüdern des Heiligen Franziskus. Gegenüber deren Lebensweise erscheint ihm sein eigenes Klosterleben nur als mittelmäßige Nachfolge Jesu Christi. Er selbst möchte ein neues Leben beginnen, tritt aus seinem Kloster aus, schließt sich den Brüdern des Heiligen Franziskus an und gibt sich den neuen Namen Antonius. 1221 begegnet er dem Heiligen Franziskus und ist von dessen Kraft der Heiligkeit tief berührt.
Gelebte Armut und Liebe zu den „kleinen Leuten“
Er wird zu einem begnadeten Bußprediger und Kirchenlehrer seiner Zeit. Als Papst Gregor IX. ihm eines Tages zuhört, nennt er ihn eine wahre „Schatztruhe“. Bereits mit 36 Jahren stirbt Antonius. Schon 11 Monate nach seinem Tod wird er „heilig“ gesprochen, das wohl kürzeste Verfahren in der ganzen Kirchengeschichte. Wie das kommt? Ich denke, dort, wo er war, dort, wo er sprach, hinterließ er einfach pure Überzeugung. Seine Spuren in den Herzen der Menschen konnte man geradezu greifen. Seine gelebte Armut und die Liebe zu den „kleinen Leuten“ verlieh seinen Reden eine solche Überzeugungskraft und eine solche Glaubwürdigkeit, dass nach seinen Predigten eine gesamte Region wie umgewandelt erschien. Es wurden Schulden erlassen, den Armen schenkte man Brot, hoffnungslos zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut wieder zurück und unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Man brauchte einfach keine langjährigen Beweise für die Heiligkeit dieses Mannes, er war einfach ein „Heiliger“.
Antonius ist bis heute einer der beliebtesten Heiligen und hatte bereits in seiner Zeit viele Wunder vollbracht. Wie das bei so vielen Heiligen der Fall ist, die sich im Volk einer besonderen Beliebtheit erfreuen, ranken sich auch viele wundersame Legenden um die Gestalt dieses Heiligen. So soll er denn auch der richtige Ansprechpartner sein für das Wiederauffinden verlorener, verlegter, vergessener oder falsch abgelegter Gegenstände. „Er hilft immer“, sagen die Leute und spenden hinterher als Dank ein Geldopfer für die Armen. Menschen, die selber mehrfach solches „wundersames Wiederfinden“ erlebt haben, werden auch weiterhin in solchen Situationen „ihren“ Heiligen anrufen.
Helfer für die, die sich verloren haben
Vielleicht sollte man ja diesen Heiligen nicht nur anrufen bei verlorenen Gegenständen. Ich würde dem Heiligen Antonius gerne alle diejenigen in besonderer Weise anheimstellen, die „Kopf und Verstand“ und ihr inneres Gleichgewicht verloren haben und Gefahr laufen, im Leben abzustürzen. Es sind die Menschen, die sich oft große Probleme, Schwierigkeiten und auch Krankheiten zuziehen, weil sie die Balance verloren haben und sich einseitig nur noch in eine Richtung bewegen. Ich denke auch an die vielen Menschen, die „festgefahren“ sind, die sich in ihrem Alltag derart verkrampfen, dass sie schon lange jeglichen Humor verloren haben. Ich muss auch an diejenigen denken, die schon lange in ihrem Leben jeglichen Anstand verloren haben, die ihre Kontrolle verloren haben, sich nur noch in Richtung einer Sucht bewegen, die „hörig“ geworden sind und den inneren Halt nicht mehr finden. Vielleicht ist der Heilige auch ein Ansprechpartner für alle, die etwas im Leben unwiderruflich verloren haben und jetzt Kraft und Trost suchen, mit dem Verlust leben zu können.
Stanislaus Klemm, Dipl. Psychologe und Theologe, In: Pfarrbriefservice.de