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Grußwort zu der Fastenzeit

Liebe Mitchristen in der Pfarreiengemeinschaft Wittislingen-Bachtal!

„Wann beginnt der neue Tag?“

Wenn ich einen Hund von einem Schaf unterscheiden kann?

„Nein. Wenn ich im Gesicht des Fremden meine Schwester oder meinen Bruder erkenne!“ (Frei nach einer Erzählung der Chassidim)

Dieser neue Tag könnte HEUTE sein! Überall! Weltweit! Aber dazu fehlen scheinbar die Voraussetzungen oder eher das Licht im Herzen? Fehlt heute diese grundlegende Bereitschaft, den Mitmenschen als Ebenbild Gottes anzuerkennen und ihm die entsprechende Achtung, Wertschätzung und Würde zuzugestehen?

Im Blick auf die aktuellen Ereignisse der Welt verstärkt sich in mir der Eindruck, dass vielmehr das Materielle, die besonderen Bodenschätze, die lukrativen Gegenden oder ganze Länder höher angesehen werden als die konkreten Menschen dort! Und der Machthunger und Geldhunger animiert zu skrupellosem Verhalten: Alles wird allein diesen sehr „weltlichen“ Zielen untergeordnet. Die Welt scheint mehr und mehr dem totalen Ausverkauf preisgegeben zu sein – auf Kosten von Menschenwürde, Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden. Auf der Strecke bleiben dabei auch das Klima und die Schöpfung Gottes als Ganzes und mit ihr die Ärmsten der Armen! Das Diktat der oft selbsternannten oder hingelobten Stärkeren zwingt nicht nur uns Christen zu einer eindeutigen Haltung, sondern eigentlich die ganze Welt. Aber Mitläufer sein ist bequemer!

„Auf die Würde. Fertig. Los!“ So verweist MISEREOR in dieser Fastenzeit auf etwas sehr Grundlegendes und Entscheidendes: Gelingt es uns auf dieser einen Welt, für alle Menschen – egal welcher Herkunft, welcher Religion oder Hautfarbe, welchem Kontostand oder Bildungsstand – die gleiche Würde zu garantieren bzw. sie jeder Frau, jedem Mann, jedem Kind erst zu ermöglichen? Ist uns schon bewusst, dass alles andere – also die Reduzierung des Menschen auf seine Leistungsfähigkeit – ein fahrlässiger Rückschritt mit gravierenden Folgen für das „Welt- und Menschenklima“ wäre?

Diese Thematik der „Würde“ jedes Einzelnen verdeutlicht nicht nur Misereor am Beispielland Sri Lanka, sondern auch die Kinderfastenaktion. Ähnlich verhielt es sich beim „Weltgebetstag der Frauen“. Das Schicksal der Frauen auf den Cookinseln verdeutlicht, was aus der Kolonialzeit leider noch immer die Lebens-welt auf den dortigen Teeplantagen beeinflusst. Das neue Hungertuch mit dem Titel: „Gemeinsam träumen - Liebe sei Tat“ stellt uns die Folgen des Klimawandels eindrücklich vor Augen. Wie gelingt eine gemeinsame Zukunft auf dieser einen Welt? Nur wenn die Unterschiede und Eigenarten nicht zu Trennung, Ausgrenzung und Erniedrigung führen, sondern die bunte Verschiedenheit noch mehr dazu anregt, gemeinsam einen sinnvollen Weg in die Zukunft zu gehen. Nur in menschlicher Würde ist ein menschenwürdiges Überleben für alle möglich! Liebe sei Tat!

Die vielfältigen Angebote in unserer Pfarreiengemeinschaft könnten für Sie persön-lich und uns allen als Kirche von heute ein „Hoffnungszeichen“ sein! Setzen wir bewusst Zeichen, die verdeutlichen: Jeder Mensch ist als Ebenbild Gottes gewollt! Zeigen wir durch unseren Umgang klar, dass „die Würde jedes Menschen unantastbar“ ist und es bleiben muss und auf keinen Fall der Profitgier und dem Machtstreben einzelner geopfert werden darf!

„Wann beginnt der neue Tag?“ In dieser Fastenzeit möge uns jeder geschenkte Tag auch eine kostbare Chance sein, besondere Akzente zu setzen, die uns der Glaube an unseren Schöpfer und Gottvater erst ermöglichen! Werden wir einander neu „Bruder und Schwester“, die von Gott eine unveräußerliche Würde mitbekommen haben.

Deswegen sind wir ermutigt, die Chancen in dieser Fastenzeit zu nützen und unsere alltäglichen Gewohnheiten zu hinterfragen und persönlich neu zu definieren: Was macht mich so unverwechselbar in meiner Würde? „Liebe sei Tat“! Deswegen wollen wir an den Fastensonntagen bewusst die Tafel im Landkreis unterstützen.

Wäre das nicht der Beginn eines kostbaren Tages?

Gesegnete !